In Vorbereitung – Traugott Vitz: Langes Seil, schneller Tod – Wie Großbritannien seine Mörder hängte

Von allen Hinrichtungsarten ist wohl keine so britisch wie das Hängen. Die Briten exportierten sie überall dort hin, wo sie als Kolonial- oder Besatzungsmacht das Sagen hatten: Nach Nordamerika, Australien, Neuseeland, Indien, Singapur, Palästina… Bis 1868 hängten die Briten öffentlich. Bis 1964 hängten sie hinter Gefängnismauern. Sie machten eine Wissenschaft daraus – oder versuchten es wenigstens. Sie waren stolz darauf – und hielten alles, was damit zusammenhing, rigoros geheim. Inzwischen aber sind die meisten Akten zugänglich. Aus Material des Britischen Nationalarchivs, Zeitungsberichten des 19. Jahrhunderts und Biographien der Henker hat Traugott Vitz die Geschichte der letzten 96 Jahre britischer Hinrichtungspraxis geschrieben.

Der kanadische Henker John Radclive (ganz rechts) behauptete fälschlich, ein Schüler des englischen Henkers William Marwood zu sein.
Canadian hangman John Radclive (far right) falsely claimed to be a pupil of the English executioner William Marwood.

Britisches Hängen war angeblich schnell, human und schmerzlos, aber stimmte das? Nun: beinahe. Allerdings sicher nicht von Anfang an, als ein viktorianischer Universalgelehrter zum ersten Mal eine Formel entwarf, die die Fallhöhe zum Körpergewicht in ein Verhältnis setzte. Entlang von Zeitungsberichten und Archivmaterial des 19. Jahrhunderts folgt Traugott Vitz den Spuren von William Marwood (dem ersten englischen Henker, der den langen Fall verwandte), den Erfolgen und Fehlschlägen seines Nachfolgers James Berry, den sorgfältigen Nachforschungen des Todesstrafen-Komitees (1886-88), den Zeiten der Henkerdynastien Billington und Pierrepoint bis zu den letzten englischen Hinrichtungen im Jahr 1964. Zum ersten Mal wird der entscheidende Einfluß des Gefängnisarztes James Barr (später Präsident der British Medical Association) auf die Entwicklung der Abläufe und der Fallhöhentabelle aufgezeigt. Als deutscher Autor und weil er das Thema als erster auf deutsch behandelt, befaßt sich Vitz etwas ausführlicher mit den von Albert Pierrepoint vorgenommenen Hinrichtungen von Kriegsverbrechern in Hameln (Deutschland). Er erzählt in sehr lesbarer, lebhafter Weise, aber vor einem beeindruckenden Hintergrund an Quellen, der medizinische Lehrbücher und Zeitschriften einschließt.

Die “Kinnmulde” des britischen Chirurgen Dr. Marshall – eine exzentrische Erfindung, die in der Praxis nie benutzt wurde.
“Chin Trough” designed by British surgeon Dr. Marshall – an excentric invention which never saw actual use.


British Hanging was said to be swift, humane, and painless, but was it? Well, almost: certainly not from the beginning, when a Victorian polymath came up with the first formula relating drop length to body weight. Using British 19th century newspapers and archive documents, Traugott Vitz traces the steps of William Marwood (the first English hangman to use the long drop), the successes and mishaps of his successor James Berry, the diligent investigations of the Capital Sentences Committee (1886-88), and follows the times of the hangman dynasties of the Billingtons and the Pierrepoints to the last English executions in 1964. For the first time, the crucial influence of prison doctor James Barr (later to become president of the British Medical Association) in developing procedures and drop tables is shown. As a German author and covering the subject in German for the first time, Vitz deals in some detail with the executions of war criminals done by Albert Pierrepoint at Hameln (Germany). He tells his tale in very readable, vivid language but from an impressive background of sources, including medical textbooks and journals.

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Neuerscheinung: Thüringer Mord-Pitaval (Band 1) von Frank Esche

Veranstaltungen: Buchpräsentation in der Bibliothek Rudolstadt am 19. April 2016, ab 19 Uhr.

Erste Lesungen am Welttag des Buches zum Geraer Bücherfrühling am 23. April 2016

Taschenbuch, 280 Seiten, zahlreiche s/w Abbildungen, ISBN 978-3-934277-65-6, Preis: 12,95 Euro.

Vor den Augen des Lesers werden in diesem ersten Band des Thüringer Mord-Pitavals 15 Schwerstverbrechen mit acht Doppel- bzw. Mehrfachmorden aus allen Teilen Thüringens
vorgestellt. Dutzende Kriminalakten aus allen sechs thüringischen Staatsarchiven wurden ausgewertet. Die Schilderung der Taten aus drei Jahrhunderten, deren Aufklärung, die Begründung der Urteile sowie die Verhängung und Vollstreckung von Todesstrafen gewähren einen tiefen Einblick in die historische und soziale Situation vergangener Jahrhunderte.

Die Fälle:

Die Schönfärbermorde in Rudolstadt (1766 und 1780)

Der Blutrausch der Deesbacher Mörder im Friedrichsgrund (1805)

Das heilende Blut des Saalfelder Raubmörders (1831)

Der ermordete schwarzburg-rudolstädtische Prinz – ein Kollateralschaden in Dresden (1849)

Die Kinderleiche im Baum bei Apolda (1856)

Der tote Jenaer Professor unter der Kanalbrücke (1861)

Der Oberreichenauer Serienbeilmörder Franz Bernhard Schlörr in Gera und Triebes (1874)

Der Geraer Gatten- und Kindesmörder Johann Hanke (1882)

Der Würger von Steinach (1896)

Mord aus verschmähter Liebe in Hinteruhlmannsdorf (1897)

Der Altenburger Lustmörder Walter Friedemann (1923/24)

Das Doppelmorddrama am Heidehaus bei Sondershausen (1925)

Der Gräfenthaler Weibsteufel (1928)

Der zweimal Entleibte – ein Thüringer Indizienprozeß (1928)

Der Erfurter Weltfeind (1938)

Zum Autor: Frank Esche wurde 1953 in Jena geboren. Nach dem Abitur studierte er Archivwesen in Potsdam. Als Diplomarchivar ist er im Thüringischen Staatsarchiv Rudolstadt tätig.

Neben zahlreichen regionalgeschichtlichen Beiträgen publizierte Esche das 1992 erschienene Buch Auf dem Karzer lebt sich’s frei – Studentengeschichten aus dem alten Jena (zusammen mit Rüdiger Glaw). 1999 erschien sein Werk Das Thüringer Anekdotenbuch im Hain-Verlag Rudolstadt & Jena. Das Buch erfuhr 2006 im quartus-Verlag Bucha bei Jena eine erweiterte Nachauflage.

Im Verlag Kirchschlager erschienen seine Bücher Thüringer Hochzeitsbüchlein – Erotische, amüsante und kuriose Geschichten über Liebe, Heirat, Ehefreud’ (2008) und Thüringer Mörderinnen. Frauenschicksale zwischen Liebe und Schafott 1859–1938 (zusammen mit Wolfgang Krüger, 2009).

Der Rudolstädter Archivar ist Mitautor der Werke Die Fürsten von Schwarzburg-Rudolstadt (1997) und die Grafen von Schwarzburg-Rudolstadt (2000). Aus seiner Feder stammen überdies die Textbücher für Sonderführungen mit einem Pagen durch die Festräume der Heidecksburg in Rudolstadt (Ein Page redet sich um Kopf und Kragen, 2002), mit einer Zofe durch die Wohnräume des Schlosses (Lust und Frust am Fürstenhof, 2003), durch die Thüringer Bauernhäuser in Rudolstadt mit einem Buckelapotheker (Gauner, Grausen und Gespenster, 2004), mit Georg Heinrich Macheleid (dem Erfinder des thüringischen Porzellans) in der Aeltesten Volkstedter Porzellanmanufaktur (Weißes Gold und schwarze Seelen, 2007), mit dem Zimmermädchen Sofie zur Sondershäuser Musikgeschichte (Sofies musikalische Anekdoten, 2009) und eine Kostümführung um das Schloß Sondershausen (Liebe und Skandale am Sondershäuser Fürstenhof, 2012).

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Als Schloß Waldeck noch Zuchthaus war – Ein Beitrag von Jochen Herzog

Nach Überwindung der schwersten wirtschaftlichen Schäden des Dreißigjährigen Krieges wurde es in deutschen Landen Sitte, daß viele der großen und kleinen Landesherren ihre hochragenden, aber meist sehr engen Trutzburgen verließen und sich neue Schlösser und Residenzen bauten. Mit Vorliebe benutzte man die verlassenen Schlösser und Burgen als Zuchthäuser oder als Aufenthaltsort für Festungsgefangene. So erging es auch der alten Burg Waldeck.

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Kriminalia-Abend mit Klaus Dalski am 8. April 2016 in Großobringen bei Weimar

Der Kriminalia-Abend mit Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski und Verleger Michael Kirchschlager (Buchlesung und Gespräch) am 8. April 2016 im Feuerwehrhaus von  Großobringen war ein großer Erfolg! Klaus Dalski und ich sprachen und lesen vor einem tollen Publikum über Thüringer Kriminalfälle, die Arbeit der Kriminalpolizei in der DDR und psychologische Täterprofile. An dieser Stelle wollen wir allen Verantwortlichen, besonders aber dem Bürgermeister von Großobringen, Thomas Heß (parteilos) und den ganz engagierten Damen der Bibliothek, Frau Katrin Ulms (und ihrem Mann), Frau Marion Koch und Frau Angela Sengupta, die ehrenamtlich arbeiten (!), für die Gastfreundschaft und freundliche Aufnahme ganz besonders danken!

Klaus Dalski am 8. April 2016 in Großobringen.

Von links nach rechts: Bürgermeister Thomas Heß, Angela Sengupta, Marion Koch, vorn sitzend Klaus Dalski, hinter ihm Katrin Ulms und rechts Michael Kirchschlager – eine unschlagbare Truppe!

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Die Wickiana – Die Sammlung des Johann Jakob Wick

Mit dem 16. Jahrhundert setzte nördlich der Alpen das Interesse am Kunstsammeln ein. In ausgeprägter Form vollzog sich dieser Prozeß in den großen Handelsstädten Süddeutschlands, deren Patriziat zu Beginn des 16. Jahrhunderts Träger der wirtschaftlichen und politischen Macht des Reiches war. Doch es entwickelte sich nicht nur die Sammelleidenschaft für Kunst im allgemeinen, es entstanden erste private Bibliotheken, Münzkabinette, Sammlungen von Kleinkunst, Gemälden usw. Parallel zu den Anfängen bürgerlichen Kunstsammelns entbrannte seit der Mitte des 16. Jahrhunderst auch den adligen Höfen eine wahre Sammelleidenschaft. Doch wir wollen mit unserem Blick nicht über jene Raritäten und Antiquitäten streifen, die heute noch in der einen oder anderen “Wunderkammer” bestaunt werden können, wir wollen unser Interesse auf eine außergewöhnliche “Nachrichtensammlung” richten. Weiterlesen

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Mordfälle im Bezirk Gera – eine Rezension von Dr. Udo Hagner

Hans Thiers: MORDFÄLLE IM BEZIRK GERA. BERICHTE / BILDER / DOKUMENTE 1973-1990. Mit einem Vorwort von Michael Kirchschlager; Kirchschlager Verlag Arnstadt, 1. Auflage 2014, 289 S., ISBN 978-3-934277-47-2 Weiterlesen

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Der Schwurgerichtssaal des Landgerichts Gera (früher Bezirksgericht)

Im Schwurgerichtssaal des Landgerichts Gera (früher Bezirksgericht) wurden fast alle von Kriminalrat a. D. Hans Thiers untersuchten Fälle verhandelt. Die Mordfälle hießen ab 1974 vorsätzliche Tötungsverbrechen. Die Zuständigkeit lag seit 1952 außschließlich beim Bezirksgericht – vorher beim Landgericht und damit ebenfalls in diesem Saal. (1952-1974 § 49 GVG-DDR und danach § 30 GVG-DDR).

Bild oben: Zugang zum Schwurgerichtsaal. Bild unten: Blick in den Schwurgerichtssaal. (Fotos: Udo Pein, Gera)


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Neuerscheinung: Ein grausamlich mord – Ausgewählte Flugblätter mit Kriminal- und Rechtsfällen aus der Wickiana

Anläßlich unseres 20jährigen Verlagsbestehens geben wir als Verlag Kirchschlager zum 1. Dezember 2015 einen limitierten Jubiläumsband heraus:

Ein grausamlich mord – Ausgewählte Flugblätter mit Kriminal- und Rechtsfällen aus der Wickiana.

Jubiläumsausgabe zum 20jährigen Verlagsbestehen
Herausgegeben von Michael Horn und Michael Kirchschlager

Für diese Jubiläumsausgabe wurden rechtshistorisch interessante Flugblätter aus der sogenannten Wickiana, der Sammlung des Johann Jakob Wick, ausgewählt.
Mit dieser kleinen Festgabe ist der Wunsch des Verlags verbunden, einer interessierten Leserschaft nicht nur die Flugblätter der Wickiana mit rechtshistorischem Hintergrund, sondern auch die vielfältige Arbeit der frühen Verleger, Drucker und „Brieffmaler“ näherzubringen. Die prachtvolle Ausgabe mit 14 ganzseitigen Farbtafeln ist auf 999 Exemplare limitiert und kostet 32 Euro.

Die Wickiana-Sammlung ist ein Kabinett der Teufelskünste und der Hinrichtungen.
Der Geschichte des Straf- und Prozeßrechts kann keine interessantere Fundgrube
für das 16. Jahrhundert beschieden sein. Jahre werden darüber hingehen,
bis dieser Schatz allein nach der kriminalistischen Seite hin ausgebeutet sein wird.

Hans Fehr in seinem Vorwort zu „Massenkunst im 16. Jahrhundert”,
Berlin 1924

Aus dem Inhalt:

I. Die Hinrichtung des Raubmörders Hans Reichart aus Dietfurt a. d. Altmühl (1534)
II. Der Kindesmörder Hans von Bärstadt (1542)
III. Jacob Müller – Mörder und Selbstmörder aus Reichenweier (1553)
IV. Eine Hexenverbrennung am Rande des Harzes (1555)
V. Von einem Pfaffen, der eine Schwangere ermordete (1556)
VI. Adam Stägmann – Der Familienauslöscher von Obernai (1556)
VII. Der Raubmord an Junker Viktor von Schenitz aus Halle (1572)
VIII. Der Jungfrauenmörder von Tirschenreuth (1573)
IX. Die Hinrichtung des Hofjuden Leupolt zu Berlin (1573)
X. Die Hinrichtung von 34 Seeräubern in Hamburg (1573)
XI. Das Ritualmordmärchen von Leitomischl (1573/74)
XII. Der Wangener Massenmörder Blasius Endres (1585)

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Buchlesungen mit Kriminalrat a. D. Hans Thiers und Verleger Michael Kirchschlager

Hans Thiers und Michael Kirchschlager lesen und sprechen über Mordfälle im Bezirk Gera.

23.10.2015 Gera-Untermhaus, Hofgut, 19.00 Uhr

24.10.15, 15.00 Uhr,  Könitz-Berbau und Heimatmuseum

26.10.15, 19.00 Uhr, Bibliothek Suhl

28.10. Eisenberg, Stadtbibliothek, 19 Uhr

6.11.15 Gera, Music Hall, Bergarbeiter Klubhaus, Heinrichstraße 49, 19.00 Uhr

11.11.15 Gera-Lusan, Geschichtswerkstatt, Kastanienstraße, 17.00 Uhr

13.11.15 Güsten, Gaststätte “Schwarzer Bär”, ab 19 Uhr
17.11.15 Gera, Kulturbund, Greizer Straße ,18.00 Uhr

18.11.15 Gera, Buchhandlung Schmitt&Hahn 2. Lesung Schloßstraße, 19.30 Uhr

19.11.15 Münchenbernsdorf, Cafe Am Markt, 19.00 Uhr

20.11.15 Gehren, Gaststätte ” Zum Stern”, 18.00 Uhr
2.12.15 Gera, Kanitz`sche Buchhandlung Laasner Str., 18.00 Uhr
4.12.15 Gera, Volkshaus Zwötzen, Liebschwitzer Str. 130, 19.00 Uhr
9.12.15 Gera, Schwurgerichtssaal, R.-Diener-Str. 2, 19.00 Uhr

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Phantome der Unterwelt – Eine Rezension von Max Pechmann

Der Verlag Kirchschlager feiert dieses Jahr sein 20jähriges Jubiläum. Das neueste Buch aus dem auf historische Kriminalfälle spezialisierten Verlag beschäftigt sich mit Mord- und Kriminalfällen aus den USA, Weiterlesen

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