Das Anklamer Richtschwert

THUE RECHT MEIDE DAS BOESE DANN DARFST NIE ZU DENKEN DAS ICH MEIN SCHWERT NACH DEINEM HALSE LENKE, so der Spruch auf dem Anklamer Richtschwert (Rückseite). Datiert ist das stählerne Schwert MDCLXXXXIV = 1694. Man kann es im Stadtmuseum der Stadt Anklam neben vielen anderen hochinteressanten Exponaten besichtigen. Das Stadtmuseum befindet sich zur Zeit noch in einem der imposanten Stadtmauertore www.museum-im-steinturm.de. Bücher zur Rechtsgeschichte findet man beim Verlag Kirchschlager auf www.verlag-kirchschlager.de !

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Der Mordstein von Sommersdorf

In Sommersdorf im Landkreis Vorpommern-Greifswald steht vor der Kirchhofsmauer an der Dorfstraße ein Mordstein (Mordwange). Er trägt folgende Inschrift: ANNO DOMINI MILESIMO CCCC°XXIII° HINRIK DE RAMIN OCCIS E A VILLAIS IN WARTIN. Übersetzt heißt das: Im Jahre des Herrn 1423 wurde Hinrik von Ramin von den Bauern in Wartin erschlagen. Der Sühnestein besteht aus gotländischem Kalkstein (Inschrift in gotischen Majuskeln, griech. Kreuz). Im Volksmund erzählt man sich, Hinrik von Ramin sei von Bauersfrauen mit Spindeln getötet wurden, weil er einer von ihnen Gewalt angetan hatte. (Lit. Hartmut Stange:Heimliches und Unheimliches zwischen Ueckermünde & Pekun, Strasburg & Löcknitz. Die Sagen und Legenden einer Region. 2014, S. 202.).

Foto Verf. im August 2022

Eine andere Sage berichtet, daß der Adlige Hinrik von Ramin, nachdem er eine Sommersdorfer Frau vergewaltigt hatte, daraufhin von Bauern aus dem Dorf verfolgt wurde. Er versuchte bei der Kirche um Asyl zu bitten, schaffte es jedoch nicht über die Kirchhofsmauer und wurde von den Bauern getötet.

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Neue Termine für Lesungen, Kreuzverhöre etc.

ACHTUNG!!! Trotz der dramatischen Teuerung bleiben unsere Buchpreise stabil!!!

Termine mit Buchverkauf und Signiermöglichkeit

11. Juni Schreibwerkstatt EF, nachmittags EGA EF Emil und die Burg der Trolle

13. Juni GS AM Wiesenhügel Ritterprogramm „Emil rettet Thüringen!“

17. Juni Lesenacht EF

23. Juni Termin, vergeben, Ritterprogramm auf der Mühlburg (geschl. Veranstaltung)

24. Juni Comma Gera, Kriminalisten im Kreuzverhör, u. a. mit Hans Thiers, Lutz Harder

25. Juni LG Thüringen der DBV Tagesexkursion

26. Juni Ritterprogramm in Angelhausen-Oberndorf auf dem Bolzplatz „Emil rettet Thüringen!“ – Ein Ritterspektakel für Jung und Alt

29. Juni GS Kaltenwestheim Ritterprogramm – Emil rettet Thüringen!

1. Juli, Freitag, Kriminalisten im Kreuzverhör, Theater Arnstadt (Lutz Harder, Hans Thiers, Moderation: M. Kirchschlager) – Mordfälle aus Arnstadt, Gotha, Erfurt, Ichtershausen, Thörey, Hermsdorf, Gera und angrenzender Gebiete

2. Juli Scheibwerkstatt EF

9.7. Schreibwerkstatt EF, danach KIKUNA Eisenach, 18 bis 22 Uhr Ritterprogramm ab ca. 18.30 Uhr u. 20.30 Uhr im Sitzungssaal des Eisenacher Rathauses – Ritter Michael und Drache Emil herrschen dann für kurze Zeit über Isenache in den Stadtmauern von 1261!

Dienstag, 12. Juli Museum Könitz, Emil rettet Thüringen! 2 x Ritterprogramm für alle Generationen

13. Juli EF Gesamtschule, Schulabschlußfest mit Ritter Michael

16. Juli Schreibwerkstatt EF

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Company Profile – Kirchschlager Publishing House

The Kirchschlager Publishing House was established as a family-owned business in 1995. The owner, Michael Kirchschlager, is a graduate historian. The publishing house specialises in historical true crimes such as Pitavals, crime chronicles and biographies of notorious criminals. Among the bestsellers are titles such as HISTORISCHE SERIENMÖRDER (Historical Serial Killers) in two volumes, KRIMINALCHRONIK DES DRITTEN REICHES (Chronicles of Crime in the Third Reich) in two volumes, SERIENMÖRDER der DDR, KILLERPÄRCHEN and DAS OBSCURUM – Tales of horrible murders and other lurid events from Old Europe. All editions are thread-bound hardbacks with a ribbon bookmark. Books of well known and best-selling authors have been published by Kirchschlager. Apart from non-fiction books and source and text compilations Michael Kirchschlager also publishes die “Bibliothek des Grauens” (Library of Horror), die “Historische Kriminal-Bibliothek” (Historical Crime Library) and KRIMINALIA.DE, the online magazine for the history of crime and legal history.

www.verlag-kirchschlager.de
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Pressebeitrag zu „Lebendig begraben“ von KHK Lutz Harder – Maria Hochberg (TA v. 2.10.2021)

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Frank Esches „Thüringer Mord-Pitaval“, Bd. III – Eine Rezesion von Max Pechmann auf FILM und BUCH

Der Archivar und Autor Frank Esche legt nun den dritten Band seiner Reihe „Thüringer Mord-Pitaval“ im Verlag Kirchschlager vor. Band 3 umfasst die Jahre 1915 – 1960. Somit reichen die Fälle von der Weimarer Republik bis in die DDR. Das Buch beinhaltet 20 Kriminalfälle, in denen es um Mord und Raubmord geht. In einem Fall war ein Polizist Mittäter, bei einem anderen handelte es sich bei der Täterin um eine geisteskranke Frau. Bei einem weiteren Mord aus dem Jahr 1920, bei dem der Journalist Ernst Schott erschossen wurde, wurden die Ermittlungen einfach eingestellt.

Frank Esche gelingt es erneut, die Kriminalfälle so zu schildern, dass daraus gleichzeitig ein genaues Bild der jeweiligen sozialen Umstände entsteht. Dadurch bleiben seine spannenden Schilderung alles andere als oberflächlich. Denn Esche untersucht, was für ein Mensch der jeweilige Täter gewesen ist, was ihn zu der Tat getrieben hat. Daraus ergeben sich interessante Einblicke in damalige Lebensumstände und Biografien, die überaus lebendige Einblicke in den Alltag vermitteln.

Frank Esche suchte in verschiedenen Archiven nach den jeweiligen Einzelheiten der Taten und setzte sie wie ein Puzzle zusammen. Zusätzlich wertete er Gerichtsakten aus, aus denen er gelegentlich zitiert, wodurch beim Leser der Eindruck entsteht, als würde er selbst als Beobachter am Prozess teilnehmen. Zu manchen Fällen fand Frank Esche Polizeifotos und Porträtaufnahmen der Täter bzw. Opfer, die ebenfalls in dem Band enthalten sind. Erneut ist dadurch Frank Esche ein Buch gelungen, das auf einzigartige Weise alte Kriminalfälle ans Licht bringt. – Sehr zu empfehlen.

Frank Esche. Thüringer Mord-Pitaval Band 3. Verlag Kirchschlager 2021, 278 Seiten, 12,95 Euro

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Frank Esche: Der Erfurter Weltfeind (Erfurt, 1938)

Aus: Thüringer Mord-Pitaval, Band I

Er sah am 25. Mai 1938 wie sie sich auf dem Erfurter Markt mit einer Frau unterhielt und beschloß sie auf dem Heimweg zu töten. Der Klempner Erwin Marcinkowski überquerte den Friedrich-Wilhelms-Platz, eilte in das Eisengeschäft von Cemmnitius&Hensel in der nahen Paulsstraße und erwarb dort ein schweres Beil für 1,35 Reichsmark. Sein Weg führte ihn dann auf den Markt zurück, um schließlich die verhaßte 56jährige Frau Alkenbrecher auf ihrem Weg nach Hause hinrichten zu können. Die ahnungslose Frau begab sich alsbald in Richtung ihrer Wohnung in der Ziegengasse. Sie überquerte den Fahrdamm hin zur Andreasstraße und lief weiter zur Weißegasse, ohne ihren Verfolger zu bemerken, der zunächst in angemessener Entfernung hinter ihr blieb. Vor dem Grundstück Weißegasse Nr. 37 erreichte er die Frau und hieb mit dem noch verpackten Beil auf deren Hinterkopf. Dieser erste Schlag streifte die rechte Kopfhälfte des Opfers nur, wobei etwas Kopfhaut abgetrennt und der Schädelknochen äußerlich verletzt wurde. Die Attakierte schrie auf, drehte sich um und erkannte den Angeklagten. Mit voller Wucht schlug dieser sofort ein zweites Mal mit dem Beil auf den Kopf der Frau und zertrümmerte damit deren Schädelknochen. Frau Alkenbrecher stürzte zu Boden und blieb am Rand des Fußsteiges in der Gosse liegen. Der Mörder kämmte nun seine bei dem Verbrechen in Unordnung geratenen Haare, zündete sich eine Zigarette an und blieb gelassen neben seinem Opfer stehen.

Alsbald erschien die herbeigerufene Erfurter Kriminalpolizei am Tatort. Beim Eintreffen des Kriminalkommissars Boskamp stand Marcinkowski ruhig und teilnahmslos neben der immer noch leise röchelnden Frau. Nachdem die Sterbende ins städtische Krankenhaus gebracht worden war, verschied sie bald nach ihrer Einlieferung 11.45 Uhr vormittags an den schweren Zertrümmerungen des Schädels und den Verletzungen des Gehirns. Der Mörder ließ sich widerstandslos ins Polizeipräsidium bringen und schilderte dort lückenkos seine Tat. Das Landgericht Erfurt verurteile den Angeklagten, dem Antrag des Staatsanwaltes folgend, wegen Mordes mit dem Tode. Marcinkowski schrieb am 17. Oktober 1938 an den Oberstaatsanwalt des Landgerichtes Erfurt:

Nun sitze ich schon wieder sechs Wochen hier und warte auf den Henker. Warum nur? Ich bin nicht geisteskrank, ich bin vollkommen normal. Aber ich weiß wohl; man hat Bedenken gegen meine Henkersmahlzeit. Ich will daher gern und großzügig, zu Gunsten des mir nachfolgenden Todeskandidaten, verzichten. Aus diesem Grunde wünsche und verlange ich meine sofortige Hinrichtung ohne jegliche Beigabe. Noch bin ich es nicht; aber wenn ich noch länger unnütz warten muß, da werde ich krank. Aber ich möchte nicht als Kranker, sondern ich will als junger und gesunder Mensch hingerichtet werden. Dieses zu berücksichtigen und mir auch die Fußfesseln abzunehmen, weil ich mit der Zeit steife Glieder bekomme, bittet Erwin Marcinkowski.“

Am 23. November wurde er im Innenhof des Weimarer Gerichtsgebäudes hingerichtet.

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Frank Esche: Der Gräfenthaler Weibsteufel

Aus: Thüringer Mord-Pitaval, Band I

In den Mittagsstunden des 18. Novembers 1928 liefen die Telefondrähte in Thüringen heiß. Aus dem Waldstädtchen Gräfenthal wurde ein bestialischer Doppelmord an dem hoch betagten Uhrmachermeisterehepaar Richard und Lina Grosch gemeldet. Der grausame Doppelmord in der geräumigen Mietwohnung des Eckhauses Markt-Judengasse sollte über die Grenzen Thüringens hinaus Schauder und Entsetzten auslösen.

Es gingen einige Monate ins Land, bevor die Untersuchungsbehörden der vermeintlichen Doppelmörder habhaft werden konnten, denn diese hatten keine Spuren hinterlassen. Die vom 7. bis 13. Juli 1931 vor dem Rudolstädter Schwurgericht statt gefundenen Verhandlungen sollten den Indizienbeweis der Täterschaft erbringen. Die Beweisaufnahme erwies sich allerdings als außerordentlich schwierig und die Wahrheitsfindung entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Sensationsprozesse in der Zeit der Weimarer Republik.

Zum Auftakt des „Paschold-Prozeßes“ berichtete am 7. Juli genannten Jahres die „Schwarzburg-Rudolstädtische Landeszeitung“ aus dem Rudolstädter Schwurgerichtssaal:

Der Prozeß gegen Klara Paschold und Genossen vor dem Schwurgericht begegnet nicht nur in Thüringen, sondern auch im Reiche größtem Interesse. Die Karten für das Publikum waren schon seit einiger Zeit ausverkauft. Der Zuschauerraum ist völlig besetzt. Die Presse ist in einer in Rudolstadt noch nie gesehenen Zahl vertreten. Ueber dem Schwurgerichtssaal liegt die eigentümliche Spannung eines großen Tages, die sich noch erhöht, als die 22jährige in die Anklagebank geführt wird. Die Angeklagte ist bleich von der langen Haft, unterhält sich aber munter und lebhaft mit ihren Wärtern. Sie ist eine kleine, hübsche Person, mit dunkelbraunen, rechtsgescheiteltem Bubikopf, dunklen, lebhaft glänzenden Augen, von guter Figur. Auch Dachdecker Werner und der Maler Zange sitzen in der Anklagebank, getrennt von ihrer Tatgenossin.“

Im Ergebnis des Indizienprozesses in dem sich Klara Paschold heftige, von Wutausbrücken begleitete Auseinandersetzungen mit Zeugen und dem Richter lieferte, erfolgte am 13. Juli 1931 das Urteil: Die beiden Angeklagten Paschold und Werner sind schuldig, gemeinschaftlich und vorsätzlich zwei Menschen getötet und die Tötung mit Überlegung ausgeführt zu haben. Zange wurde freigesprochen.

Das Gericht verurteilte das kaltblütige Paar Pachold und Werner wegen zweifachen Mordes zweimal zum Tode. Der Mord sei in „völliger Geistesruhe und mit kaltem Blute“ erfolgt. Die Täter hätten die Morde monatelang vorbereitet und „von Anfang bis zu Ende im bewußten und gewollten Zusammenwirken gehandelt; Werner hat auch die Tat der Paschold und sie diejenige des Werner als eigene Tat gewollt […]. Sie müssen auch für ihre schweren Verfehlungen strafrechtlich verantwortlich gemacht werden, da eine krankhafte Veränderung des Geisteszustandes bei keinem der beiden Angeklagten vorlag. Das steht nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung und insbesondere nach dem Gutachten des Sachverständigen Prof. Dr. Hilpert, wonach die Paschold insbesondere eine sehr intelligente, jedoch zu Gewalttätigkeit neigende Person mit rohem Gemüt ist, einwandfrei fest.“

Die Todesstrafen wurden 1932 in lebenslange Haft umgewandelt, der Strafvollzug für die Verurteilten sollte jedoch 1944 bzw. 1945 eine unerwartete Wendung erfahren.

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Frank Esche: Der Altenburger Lustmörder Walter Friedemann (Altenburg, 1924)

Aus: Thüringer Mord-Pitaval, Band I

In der öffentlichen Sitzung der ersten Strafkammer des Landgerichts Altenburg am 31. Januar 1924, wurde Walter Friedemann wegen Unzucht und Totschlags verurteilt.

Er hatte unter anderem ausgesagt: „Bis 2. September 1923 war ich als landwirtschaftlicher Arbeiter in Bocka tätig und zog am 3. 9. 1923 in die hiesige Herberge zur Heimat. Am 4.9.1923 wollte ich eine Stelle antreten, bei dem Gutsbesitzer Malzer in Lehnitzsch […] Ich war bereits allein bis nach Ehrenberg gegangen, wo ich schließlich den Entschluß faßte, die Stelle bei Malzer in Lehnitzsch nicht anzutreten. Ich kehrte deshalb wieder nach Altenburg zurück und nahm den Weg über Mockern durch den Herzog-Ernst-Wald. Nachmittags etwa ½ 3 Uhr war ich an der Paditzer Straße, wo der Verbindungweg nach der Kotteritzer Straße abzweigt. Dort kam eine Frau mit einem Handwagen – die Albrecht, die den beschriebenen Weg einbog und die ich ansprach. […] Über geschlechtliche Dinge habe ich mit ihr nicht gesprochen […] Ich zog die Albrecht etwa 8 m tief rechts von der Straße in das Fichtendickicht. Sie war bereits leblos. Ich habe sie hier geschlechtlich gebraucht. Aber auch in diesem Falle kam es nicht zum Samenerguß solange ich das Glied in der Scheide hatte. Unmittelbar danach erfolgte bei mir der Samenerguß. Die Albrecht hat sich nicht mehr geregt, als ich sie gebrauchte. Sie war aber noch warm.“

Der Schuldspruch erfolgte zusammengefaßt für nachstehende Verbrechen:

1. der vollendeten Unzucht in 2 Fällen,

2. der versuchten Unzucht in 1 Falle,

3. der vollendeten Unzucht in zwei Fällen mit Todesfolge in Verbindung mit Totschlag,

4. des vollendeten Todschlag in 1 Falle.

Friedemann wurde deshalb zweimal zu lebenslänglichem Zuchthaus und zu einer Gesamtstrafe von 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Noch am selben Tag wurde der Verurteilte in das Zuchthaus Untermaßfeld eingeliefert.

Am 21. August 1934 erkannte die große Strafkammer des Thüringischen Landgerichts zu Altenburg in ihrer Sitzung für Recht:

[…] die Entmannung wird angeordnet. Friedemann trägt die Kosten des Verfahrens.“

Die angeordnete Entmannung des Walter Friedemann erfolgte durch einen medizinischen Eingriff am 8. März 1935.

Am 11. November 1948 faßte die Regierung des Landes Thüringen den Beschluß, dem wiederholten Gnadengesuch des Friedemann unter Auflagen stattzugeben, da von ihm mit großer Wahrscheinlichkeit keine Gefahr mehr ausging und die soziale Prognose als sehr günstig eingeschätzt wurde. Dies wurde ihm mit Schreiben vom 3. Februar 1949 mitgeteilt, worauf seine Entlassung aus dem Strafvollzug nach zirka 25jähriger Haftzeit erfolgte.

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Frank Esche: Der Oberreichenauer Serienbeilmörder Franz Bernhard Schlörr in Gera und Triebes

Aus: Thüringer Mord-Pitaval Band I

Man hätte eine Stecknadel fallen hören können! Nur in Gedanken fragten sich viele Prozeßbeobachter: Sieht der Mensch wohl wie ein Mörder aus?, als Bernhard Schlörr aus Oberreichenau am Freitag, dem 1. Oktober 1875 den Weimarer Schwurgerichtsaal betrat.

Was war geschehen? Im Oktober 1874 wurde zuerst die reußische Stadt Gera in größte Aufregung versetzt. Im Handumdrehen verbreitete sich die Nachricht über den Mord an der verwitweten Lederhändlerin Christiane Anders in ihrem Laden in der Schloßstraße Nr. 12. Die am 4. Oktober in einer Blutlache aufgefundene bejahrte Besitzerin des Grundstücks, war wie spätere Ermittlungen ergaben, bereits abends zuvor mit einem wuchtigen schneidenden Instrument umgebracht worden. Der Kopf, der neben dem Ladentisch aufgefundenen wurde, war mit einem Beil derart zertrümmert worden, daß er bei der späteren Sektion völlig auseinander fiel. Außer diesen, ohne Zweifel tödlichen Wunden am Kopf, ließen sich noch zwei tiefe Schnittwunden am Hals und ein in der linken Brust steckendes Messer, welches aus dem Haushalt der Anders stammte, ermitteln. Die Tiefe des mit großer Wucht ausgeführten Stiches betrug 16 Zentimeter.

Über den Mörder konnten zunächst kaum Erkenntnisse gewonnen werden. Während sich die Aufregung über den Mord in Gera noch nicht gelegt hatte, geschah in der nicht weit entfernten Stadt Triebes ebenfalls etwas Unfaßbares.

Am 18. Oktober 1874 verbreitete sich die Nachricht, daß der dortige Gastwirt Dietzel unter ähnlichen Umständen wie die Lederhändlerin in Gera ums Leben gekommen sei. Die Ermittlungen ergaben Folgendes:

Die Dietzel’schen Eheleute waren am Abend der Tat eben in Begriff zu Bett zu gehen, als noch ein junger Mann mittlerer Größe eintrat und um etwas Essen und Trinken bat. Während sich der Wirt mit dem Fremden unterhielt, ging dessen Ehefrau zu Bett. Nachdem sie wiederholt das Bett verlassen und gehorcht hatte, ob ihr Mann noch im Gespräch mit dem Fremden sei, hörte sie endlich gegen ein Uhr nachts den Fremden weggehen und begab sich nun zur Wirtsstube, um nach ihrem Mann zu sehen und denselben zum Schlafengehen aufzufordern. Als sie in das Zimmer trat, sah sie ihren Mann am Boden liegen. Fast gelähmt vor Schreck eilte sie ins Schlafzimmer zurück und rief zum Fenster hinaus laut um Hilfe. Die herbeigeeilten Nachbarn fanden den Wirt erschlagen im Blut liegend vor. Der Kopf, ganz in ähnlicher Weise wie bei der Wittwe Anders, war augenscheinlich mit einem Beile zertrümmert worden. Auch fand man den Hals vollständig bis auf den Wirbelknochen durchschlagen. Die durch die herbeigerufenen Polizeibeamten eingeleitete Untersuchung ergab zunächst auch keinen Hinweis auf die mögliche Täterschaft, zumal Frau Dietzel nicht im Stande war, über die Persönlichkeit des Mörders Angaben zu machen. Durch die Aufmerksamkeit des Gräfenbrücker Bürgermeisters Taute konnte der Mörder überraschend vor der Begehung eines weiteren Mordes überführt und zum Tode verurteilt werden. Das Urteil wurde, nachdem Schlörr keine Revision anstrebte und auch kein Gnadengesuch stellte, rechtskräftig. Schließlich genehmigte der Fürst von Reuß j. L. die Vollziehung des Urteils, daß am 22. Oktober 1875, frühs 7.00 Uhr, in Gera durch den Saalfelder Scharfrichter Karl Hübner vollstreckt wurde.

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