Der Krötenstein von Neustadt an der Orla – ein spätmittelalterlicher Schandstein

Im Lutherhaus von Neustadt an der Orla (ehemals im Stadtmuseum) findet man einen der seltenen, aber ehemals zahlreich in mittelalterlichen Städten vorhandenen Schandstein (z. B. Memmingen, 1396), den sogenannten Krötenstein. Eine Kopie hängt an der Nordfassade des Neustädter Rathauses. Der Krötenstein besteht aus hellem Sandstein, weist einen handgeschmiedeten eisernen Bügel auf und wiegt zirka 24 Kilogramm. Er stellt eine Kröte dar, die auf einem Brot hockt und deren Füße von zwei Schlangen umwunden sind, daher auch der Name “Krötenstein”. Weiterlesen

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Ralf Staufenbiel: “Totgemorkelt” auf Verlangen – ein mysteriöser Mordfall aus Halberstadt

In Halberstadt kam ich zusammen mit der Kriminaltechnik des Polizeirevieres in einem Wohnblock zum Einsatz, in dem eine ältere Dame – scheinbar seit längerer Zeit ein Pflegefall – tot im Bett lag. Den Hinweis auf eine mögliche Straftat erhielt das Polizeirevier vom Hausarzt, der den Totenschein ausstellen sollte und dabei Strangmarken am Hals der Frau entdeckte. Am Ereignisort angekommen, erhärtete sich der Verdacht eines Verbrechens. ”" Weiterlesen

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Ralf Staufenbiel: Knete in der Hose – ein Drama aus Staßfurt (2004)

Im Winter 2004 wurde auf dem Bahnhof von Staßfurt eine männliche obdachlose Person im mittleren Alter tot aufgefunden. Aufgrund der ungeklärten Todesursache sowie der ungesicherten Identität kam es zur Obduktion. Hier erlebte ich mit, unter welch unwürdigen Bedingungen der arme Mensch gestorben war. Weiterlesen

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Kurioser Kupferstich zum Fall des Schinderhannes, 1803

Der Räuber Johannes Bückler, genannt Schinderhannes, dem 130 Straftaten nachgewiesen werden konnten, wurde 1779 geboren und am 21. November 1803 mittels Fallschwertmaschine hingerichtet. In der Sammlung des Verlags Kirchschlager befindet sich der oben abgebildete kuriose Kupferstich.

Ankunft im Reiche der Todten des Räuberhauptmanns Schinderhannes und seiner anderen hingerichteten Spiessgesellen.” (ein kurioser Stich, denn die Räuber tragen allesamt ihre Köpfe unter dem Arm), Blattgröße: 32, 5 x 23,5 cm, Bildgröße: 28 x 19 cm.

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Langes Seil, schneller Tod – eine Rezension von Dr. Mark Benecke

Dies ist eine Nerd-, also Spezialistenarbeit, die sich nahezu ohne Abschweife auf strafrechtliche Erhängungen in Großbritannien bezieht und freiwillig beschränkt. Der Ton im Buch ist, dem Sujet durchaus angemessen, nüchtern und streng, manchmal sogar sehr streng: “Völlig sinnlos” und “Das sind fünf sachliche Fehler in drei Sätzen. Schade”, ärgert sich der Autor beispielsweise über einen in der Tat etwas quellenfernes Statement des früheren Leiters des Institutes für Rechtsmedizin der Universität Göttingen. Weiterlesen

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The Executioner at War: Soldiers, Spies, and Traitors – Der Henker im Krieg: Soldaten, Spione und Verräter

In 1940, the British Parliament passed the Treachery Act, imposing the death penalty on spies and saboteurs. One (Josef Jakobs) was shot and 16 were hanged under this law. One of the latter, Karel Richard Richter, fought his executioners for 17 minutes. In view of the cock-and-bull stories coroner Wm. Bentley Purchase and his biographer Jackson told about “elongated necks”, their version of the events during Richter’s hanging is dismissed. Weiterlesen

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Martin Zimmermann berichtet vom 15. Ascherslebener Gespräch

Man muss schon den Hut ziehen, wenn ein pensionierter Ermittler, der in seiner Spezialausrichtung Brandursachenermittler war, aus seinem Leben erzählt. Dabei hatte ich den Eindruck, dass er genau der Richtige für diese Aufgabe war. Schließlich war er nicht immer Kriminalist sondern erlernte den Beruf des Ofensetzers, trat der Feuerwehr bei und wurde, ausgerüstet mit dem Wissen, welches er sich bis dato angeeignet hatte, Brandursachenermittler. Sein Name: Ralf Staufenbiel. E stand mit seinem neuesten Buch „Brände / Morde / Explosionen“ im Mittelpunkt des 15. Ascherslebener Gespräches, zu dem sich viele Gäste einfanden. Darunter selbstredend auch die Kammeraden der Freiwilligen Feuerwehr Aschersleben, Angehörige der Fachhochschule Polizei und interessierte Bürger der Stadt und Umgebung. Weiterlesen

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Ralf Staufenbiel: Neun Brandtote in einer Halberstädter Obdachlosenunterkunft (Halberstadt, 2005) – eine Leseprobe

“Bei einer Brandkatastrophe in der Halberstädter Obdachlosenunterkunft starben am 2. Dezember 2005 neun Männer. Die 20 Blechcontainer, die der Stadt seit 1996 als Unterkunft für Menschen ohne festen Wohnsitz dienten, brannten völlig aus. Vermutlich war eine brennende Zigarette Auslöser dieser Katastrophe. Ein Anschlag von außen werde
jedoch ausgeschlossen«, so ein Polizeisprecher.

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Ralf Staufenbiel: Spinnwebenhöhle (Aschersleben) – eine Leseprobe aus: Brände / Morde / Explosionen

Im Jahr 1996 waren wir zu dritt unterwegs und hatten gerade einen Auftrag erledigt, als wir vom Lagezentrum schon zum nächsten Einsatz zitiert wurden: Eine junge Frau aus Aschersleben bezichtigte sich selbst, ihr Kind umgebracht zu haben. Als wir eintrafen, waren die Vernehmungen bereits erfolgt; uns erwartete »nur noch« die Tatortarbeit, um sicherzustellen, daß der geschilderte Kindsmord auch tatsächlich stattgefunden hatte. Leider hatte es niemand für nötig gehalten, uns vor dem Zustand der Wohnung zu warnen, denn als wir die unverschlossene Tür aufschoben, bot sich uns ein Bild … einem Gruselfilm erster Klasse gleich. Die gesamte Wohnung, bestehend aus Stube, Küche und Schlafraum, war komplett – von der Decke bis hinunter zum Fußboden – mit dichten, verstaubten Spinnweben versehen. Die Sichtweite lag nahezu bei null, zumal auch die Fenster verdunkelt waren. Lediglich die täglichen Laufwege der Bewohnerin, die etwa in Breite und Höhe ihrer zierlichen Figur entsprachen, zeigten ein bestimmtes Bewegungsmuster zwischen Bett, Waschbecken und mehreren zum Teil prallgefüllten – ich möchte es einmal vorsichtig ausdrücken – Fäkalieneimern. Unter unseren Schuhen drückte es sich meist weich ein, da der Fußboden mit zirka zwei bis drei Zentimeter dickem Hausmüll, darunter auch toten Mäusen, belegt war. Wir verließen zunächst die Räumlichkeiten und zogen uns die weißen Overalls, Gummihandschuhe und Schutzmaske über, wobei uns der blanke Ekel überkam. Wir waren jedoch gezwungen, in dieser Wohnung, die mehr einer verstaubten Höhle glich, ein totes Kind zu finden. Nachdem wir die fotografische Sicherung dieses Elends vorgenommen und Küche sowie Stube intensiv in Augenschein genommen hatten, öffneten wir vorsichtig die Schlafzimmertür. Dort mußten wir feststellen, daß dieser Bereich seit Jahren nicht mehr betreten worden war. Hier existierte kein Gangbild, also auch keine Höhle. Mit einem alten Besen drückten wir die Spinnweben herunter, um die Sicht zu erleichtern. Eine alte verstaubte Einkaufstüte aus Plastik erregte unsere Aufmerksamkeit. Als mein Kollege sie öffnete, standen uns die Haare zu Berge: Mit viel Phantasie konnte man eine mumifizierte Kinderleiche erkennen! Der tote Säugling war nicht größer als ein Kaninchen. Schlußfolgernd mußte das Kind schon bei der Geburt oder kurz danach verstorben sein. Den anschließenden Untersuchungen nach lag der Kindstod schon zirka zwei Jahre zurück. Zu den weiteren Ermittlungen erhielt ich leider keine Kenntnis.