In Vorbereitung: Thüringer Mord-Pitaval II von Frank Esche

Nachdem Band I des „Thüringer Mord-Pitaval“ von Frank Esche auf großes Interesse stieß, legt der Verlag Kirchschlager einen zweiten Band vor (ab September 2017).

In dem reich illustrierten Sachbuch widmet sich der Autor unter anderem drei Serien- und zwei Doppelmorden sowie einem erweiterten Suizid, der zur Auslöschung einer Familie führte.

Die Tötungsverbrechen, die zwischen 1606 und 1968 begangen wurden, führen den Leser erneut an Tatorte voller Grauen und geben tiefe Einblicke in menschliche Abgründe sowie die Psyche der Täter. Dazu wurden Dutzende, oft schlecht strukturierte, ja chaotisch geführte Akten, wiederum aus allen sechs Archiven des Landesarchivs Thüringen, der Stadtarchive Auma-Weidatal, Gera, Neustadt an der Orla, des Bundesarchivs und des BStU (Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen) ausgewertet.

Der Leser begegnet einem wahnsinnigen Familienvater in Eliasbrunn, einer hübschen Mordbrennerin aus Oettersdorf, einem Aumaer Mörder, der kurz vor seiner Hinrichtung als Bußprediger auftrat und einem sadistischen Mörder aus Jena, der fünf Menschen bestialisch tötete.

Der Obersynderstedter Schafzimmermord sollte einst den vermeintlichen Mörder aufs Schafott bringen. Ein unglaublicher Zufall verhinderte einen nicht wieder zu korrigierenden Justizirrtum. Dieser Strafrechtsfall zeigt besonders klar, vor welchen schwierigen Herausforderungen Polizisten, Kriminalbeamte, Staatsanwälte, Richter, Rechtsanwälte und Geschworene bei der Aufklärung von Kapitalverbrechen, der Rechtsfindung sowie Rechtsprechung standen.

Die Kriminalfälle verdeutlichen zudem die sozialen Probleme vergangener Jahrhunderte sowie die Lebensumstände der Menschen, die oft Auslöser schwerer Verbrechen waren. Zahlreiche Abbildungen, darunter auch Tatortbilder, illustrieren diesen zweiten Band wieder in einzigartiger Weise und vermitteln Zeitkolorit. Weiterlesen

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Franz Laubler – Der Mörder des Predigers Hahn zu Dresden – Eine Leseprobe aus “Mörder / Räuber / Menschenfresser”

Franz Laubler wurde 1684 bei Augsburg geboren. Er war gelernter Fleischer, der aber nach den Lehrjahren bald Kriegsdienste nahm, und nach erhaltenem Abschied in der halben Welt herumlief. Er kam endlich in Dresden an und da es ihm an Unterhalt fehlte, beschloß er, als Katholik ein Lutheraner zu werden. Deshalb wandte er sich an den berühmten Prediger Hahn, der ihm Unterricht erteilte, Essen, Trinken und Geld gab. Er brachte ihn auch unter die reitenden Trabanten, von denen er aber nach drei Jahren, wegen sichtbarer Spuren von Narrheit, den Abschied bekam. Sogleich faßte Laubler den Entschluß, seinen Bekehrer zu ermorden.

Er versah sich am 20. Mai 1725 mit einem Messer, zehneinhalb Zoll lang, mit drei dreieckigen eisernen Nägeln, einem Strick und einer Rute. Mit diesen Werkzeugen ging er am folgenden Tag im Rausch zu dem Prediger Hahn und verlangte ihn mit Ungestüm zu sprechen. Hahn kam endlich und ging mit ihm auf den Saal. Eigener Aussage nach hätte Laubler lieber die abgelegene Studierstube gewünscht, weil er sich vorgenommen hatte, den unglücklichen Prediger zu würgen, anschließend zu kreuzigen und mit Ruten zu geißeln. Ein Vorsatz, der an seiner gänzlichen Unvernunft keinen Augenblick zweifeln läßt. Laubler fing von geistlichen Dingen an zu reden, fragte ihn, ob er als ein guter Hirte sein Leben für die Schafe lassen wollte. Wie der Prediger mit ja antwortete, sagte er, ich bin von Gott gesandt, ihm jetzt das Leben zu nehmen. Zugleich wollte er ihm die Schleife über den Kopf werfen, da aber Hahn die Hand vorwarf, gab er ihm zwei tödliche Stiche in die linke Brust. Über das Geschrei des Verwundeten wollte dessen Frau zuspringen, der Mörder aber schloß sie ein, und weil sich der Verwundete unterdessen aus der Tür machte, gab er ihm von hinten noch zwei Stiche. Hahn sank matt an der Treppe nieder und empfing von dem aus dem Haus laufenden Mörder noch zwei weitere Stiche.

Laubler ging von selbst in die Wache und gab sich als Arrestant an, mit den Worten, er habe den Seelenverführer Hahn ermordet. Dieser von einem verrückten Menschen ausgeübte Mord, hätte ohne die guten Anstalten des Gouverneurs Graf von Wackerbarth, bald ein allgemeines Blutbad verursacht. Unter dem Pöbel verbreitete sich das Gerücht, der Mord sei von den Katholiken angestiftet worden, und es sollten noch mehrere evangelische Prediger umgebracht werden. Der Pöbel griff die Katholiken an und schlug sie blutrünstig. Er übte auch in ihren Häusern Exzesse aus. Die starken und häufigen Patrouillen mußten ihn zerstreuen, und die Katholiken zur Sicherheit in die Wache nehmen. Am anderen Morgen breitete sich ohne die geringste Veranlassung in der Kreuzkirche das Gerücht aus, daß an der Kirchentür Katholiken mit Flinten und bloßen Degen stünden und der Prediger auf der Kanzel erschossen werden sollte. Die Frauenzimmer fingen an zu heulen und zu schreien, und der Gottesdienst konnte nur mit Mühe zu Ende gebracht werden. Nach ein paar Tagen kam endlich das Volk von seiner Verblendung zurück. Glücklicherweise war dadurch kein neues Blutvergießen verursacht worden.

Das Aufführen Laublers im Gefängnis und einige eingangene Nachrichten von seinem vorigen Leben bestätigten hinlänglich, daß er öfters Anfälle von Zerrüttung der Sinne bekam. Dessen ungeachtet wurde er am 18. Juli 1726 dem ergangenen Urteil gemäß von oben herunter gerädert. Nach dem ersten Schlag mit dem Rad richtete er sich noch auf und sah dem Scharfrichter gerade ins Gesicht, der die Exekution überhaupt nicht besonders verrichtete. Übrigens hat kaum der Mord des großen Königs Heinrich IV. von Frankreich so viel Aufsehen in Deutschland erregt, wie die Ermordung des ehrlichen, aber einfältigen Magisters Hahn.

Magister Hahn wird von Franz Laubler ermordet. Zeitgenössischer Kupferstich.

Die Tatwaffe, Strick und Nägel. Zeitgenössischer Kupferstich.

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Filmdokument von der Leipziger Buchmesse 2017

Liebe Kriminalia-Freunde! Hier findet Ihr ein einzigartiges Filmdokument von der Leipziger Buchmesse 2017 mit zahlreichen Interviews, u. a. auch von mir. Viel Freude beim Ansehen wünscht Euch Verleger Michael Kirchschlager

https://www.youtube.com/watch?v=PMz0cG_YSfc

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Gerd Frank: Heinrich Pommerenke (1937-2008) – ein deutscher Serienmörder

Heinrich Max Pommerenke (* 6. Juli 1937, + 27. Dezember 2008) war ein deutscher Serienmörder. Seit 1959 inhaftiert, war er bei seinem Tod der am längsten einsitzende Häftling in der BRD. P. stammte aus dem mecklenburgischen Ort Bentwisch bei Rostock, wo der Vater im Hafen gearbeitet hatte. Nachdem dieser im Krieg gefallen und die Mutter 1949 ihre beiden kleinen Kinder verlassen hatte, wuchs P. bei seinen Großeltern in Mecklenburg auf, wo er eine Vergewaltigung beging. Er wurde Maler und floh nach einer zweiten Vergewaltigung 1953 aus der DDR nach West-Berlin. Dort von der Polizei aufgegriffen, wurde er zu seiner Mutter in die Schweiz geschickt, wo er zum dritten Mal ein Mädchen vergewaltigte und des Landes verwiesen wurde. In der Folgezeit verübte er verschiedene Raubüberfälle und Sittlichkeitsverbrechen im süddeutschen Raum sowie dem österreichischen Bregenz. Weiterlesen

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Gerd Frank: Christina Edmunds – eine englische Giftmörderin (* 3. Oktober 1828, + 1907)

Christina Edmunds (*3.10.1828, + 1907) wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts in England als “Schokoladencrème-Giftmörderin” (chocolate cream poisoner) berühmt-berüchtigt. Sie wurde als Tochter der Eheleute William Edmunds und Ann Christian Burn in Margate geboren. Der Vater war ein erfolgreicher Architekt. Christina war eine verwöhnte, auffallend hübsche Frau, litt aber an einer psychischen Erkrankung, die erst erkannt wurde, als sie ihre Vergiftungskampagne startete. In den späten 1860er Jahren hatte sie eine Affäre mit dem verheirateten Arzt Charles Beard. Nach dem Ende der Beziehung 1870 beschloß sie, die Ehefrau des Arztes mit Pralinen zu vergiften, die jedoch überlebte. Dr. Beard ahnte, wer dahinter stecken könnte, schwieg aber, um das Verhältnis zu schützen. Weiterlesen

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Gerd Frank: Marcel André Henri Félix PETIOT – ein französischer Serienmörder (1897-1946)

Marcel André Henri Félix PETIOT (*17. Januar 1897 in Auxerre, * 25. Mai 1946 in Paris hingerichtet): französischer Arzt und Serienmörder werden könnte. In Jugendjahren wurde ihm eine “geistige Erkrankung” bescheinigt. Als Soldat im Ersten Weltkriegs diente er bei der Infanterie, wurde verwundet, erlitt eine Gasvergiftung und einen Nervenzusammenbruch. Später wegen Diebstahls von Armeedecken in Orléans verhaftet. Petiot kam in eine psychiatrische Klinik in Fleury-les-Aubrais, wo man bei ihm erneut verschiedene Geisteskrankheiten diagnostizierte. Trotzdem wurde er im Sommer 1918 wieder an die Front geschickt, aber bald darauf wegen einer weiteren klinischen Diagnose endgültig aus dem Heer entlassen; er hatte sich absichtlich selbst in den Fuß geschossen.

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Gerd Frank: Henri Désiré LANDRU (*12. April 1869 in Paris; + 25. Februar 1922 in Versailles) – Ein französischer Blaubart

Henri Désiré LANDRU (*12. April 1869 in Paris; + 25. Februar 1922 in Versailles, hingerichtet) war ein französischer Serienmörder, der vermutlich elf Menschen – darunter zehn Frauen – umgebracht hat.

Der Sohn eines Hüttenarbeiters und einer Schneiderin hatte eine katholische Schule besucht, war Chorknabe und Meßdiener gewesen und hatte sich durch seinen Lerneifer ausgezeichnet. Nach der Schulzeit fand er Anstellung in einem Architekturbüro, heiratete und führte nach außen hin ein gut-bürgerliches Leben: Das Paar hatte insgesamt vier Kinder.

Mit 20 Jahren ging Landru zum Militär, schied als Unteroffizier aus. Ohne geregelte Arbeit lebte er vom Ertrag kleinerer Betrügereien; gab sich als Möbelhändler und Garagenbesitzer aus. Seit 1908 Heiratsschwindler und Verwendung unterschiedlichster Namen, gab selbst Heiratsanzeigen auf oder antwortete auf sie, wobei er alleinstehende Frauen mittleren Alters bevorzugte (Kontakt mit 283 Frauen).

Landru war weder Raucher noch Trinker, relativ bedürfnislos und extrem pedantisch. Er führte Notiz- und Tagebücher, auch über seine Morde (vgl. Mordlisten). Landrus Mordserie erstreckte sich über den Zeitraum von 1914 bis 1919. Die Verbrechen liefen immer nach dem gleichen Schema ab. Mietete zunächst in Vernouillet, später in Gambais ein Landhaus, in das er seine Opfer einlud, um sich dort “besser kennenzulernen”. Kaufte stets eine einfache Fahrkarte für die Frauen, eine Hin- und Rückfahrkarte für sich selbst; die Frauen kehrten nie wieder zurück. Danach löste er ihre Wohnungen auf, verkaufte die Möbel, leerte die Bankkonten und verkaufte die Versicherungspolicen mittels Unterschriftsfälschung. Wertsachen und persönliche Gegenstände brachte er unter Verschluß. Zusammen mit dem ersten Opfer verschwand auch der Sohn (der einzige Mann unter den elf Opfern).

Landrus Verbrechen wurden erst durch Nachforschungen der Angehörigen bekannt. In Vernouillet entdeckte man Reste von Damenkleidung und verkohlte Knochen von Schädeln, Füßen und Händen, in einem Lagerraum in Clichy persönliche Gegenstände der verschwundenen Frauen. Die Untersuchung in Gambais förderte lediglich die Kadaver der Hunde eines der Opfer zu Tage. Im November 1921 fand ein Indizien-Prozeß statt, der nicht klären konnte, auf welche Weise Landru seine Morde beging. Der Strafverteidiger de Moro-Giafferi hob hervor, daß der Umstand, daß man die zehn Frauen nicht wieder gefunden hatte, zwangsläufig nicht bedeute, daß sie ermordet worden seien. Dennoch gingen die Geschworenen von Mord aus und so verurteilte das Gericht Landru, der bis zuletzt seine Unschuld beteuerte, zum Tode. Landru wurde vom Scharfrichter Anatole Deibler auf der Guillotine hingerichtet. Gerd Frank

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Lesungstermine 2017 mit Kriminalrat a. D. Hans Thiers, Kriminaloberrat a. D. Klaus Dalski und Michael Kirchschlager

15. März 2017, 19.30 Uhr Lesung „Nacht der Serienmörder“ Brahmenau

17. März Klaus Dalski Lesung mit M. Kirchschlager in Tabarz KUKUNA, 19 Uhr Beginn

18. März 2017, 19.00 Uhr Österreicher Gera, Am Markt Krimi Dinner

29. März 2017, 19.00 Uhr “Die Nacht der Serienmörder” – “Frank’s Burger-Licious BBQ” (ehemals Sächsischer Bahnhof), Erfurtstraße 19, in Gera.

4. April 2017, 19.00 Uhr Lesung in der Bibliothek Greiz “Mordfälle im Bezirk GeraI & II”

5. April 2017, 19.00 Uhr Lesung KH Niederpöllnitz Frau Richter

6. April 2017, 20.00 Uhr Lesung in Vollmershain “Die Nacht der Serienmörder”

8. April 2017, Großobringen Beginn 19 Uhr “Die Nacht der Serienmörder”

5. Mai 2017, 19.00 Uhr “Die Nacht der Serienmörder” in Hohenleuben, Reußischer Hof

22. September 2017, 19.00 Uhr  Lesung Liebfrauenkirche in Auma

28. September Lesung im Hotel “Villa Altenburg” in Pößneck, Straße des Friedens 49, 19 Uhr, Mordfälle im  Bezirk Gera, vor allem Morde in und um Pößneck betreffend

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Verlag Kirchschlager auf der Leipziger Buchmesse (23. bis 26. März 2017), Halle 4 D-106

Liebe Freunde, geschätzte Leserschaft! Freut Euch auf dieses neue Jahr und besucht uns gleich im März auf der Leipziger Buchmesse (23. bis 26. März 2017) in Halle 4 Stand D 106. Es werden Autoren vor Ort sein, wie Kriminalrat a. D. Hans Thiers oder der Archivar Frank Esche, und  wir präsentieren unser gesamtes Verlagsprogramm seit 1995! Gerade entsteht für unsere Leserschaft ein umfangreiches Gesamtverzeichnis mit allen Titeln, Covern, ausgewählten Informationen zur Verlagsgeschichte und Autorenporträts. Und natürlich präsentieren wir unsere Neuerscheinungen (siehe unten) oder stellen die Titel für das Jahresprogramm 2017 vor.

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Der Krötenstein von Neustadt an der Orla – ein spätmittelalterlicher Schandstein

Im Lutherhaus von Neustadt an der Orla (ehemals im Stadtmuseum) findet man einen der seltenen, aber ehemals zahlreich in mittelalterlichen Städten vorhandenen Schandstein (z. B. Memmingen, 1396), den sogenannten Krötenstein. Eine Kopie hängt an der Nordfassade des Neustädter Rathauses. Der Krötenstein besteht aus hellem Sandstein, weist einen handgeschmiedeten eisernen Bügel auf und wiegt zirka 24 Kilogramm. Er stellt eine Kröte dar, die auf einem Brot hockt und deren Füße von zwei Schlangen umwunden sind, daher auch der Name “Krötenstein”. Weiterlesen

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