Claus Antonius, Bürger zu Buttstädt in Thüringen – ein mittelalterlicher Rechtsfall

Der folgende Fall aus einer alten Chronik dient dazu, sich einen Begriff vom Zustand der damaligen Strafjustiz in Deutschland zu machen. Am 12. März 1470, am ersten Montag in der Fastenwoche, stach der Bürger Claus Antonius in Buttstädt einen anderen Bürger namens Heinz Kirchner, als dieser im Ratskeller auf dem Tisch eingeschlafen war, und wo sie beide vorher bei der Zeche saßen, mit einem Brotmesser durch den Hals, so daß Kirchner von Stund an ohne Ach und Wehe niederfiel und des Todes blieb. Der Täter wurde sofort in Verwahrung genommen und es wurde ihm noch am selben Abend, nachdem der Rat zu Buttstädt drei Halsgerichte aufeinander über ihn gehalten hatte, bei Strohwischen (Fackelschein) durch den Schwertmagen (männlicher Verwandter väterlicherseits) des Getöteten das Haupt abgeschlagen. Als nun Herzog Wilhelm der Tapfere von Sachsen (1425-1482) als damaliger Landesfürst von dieser allzuschnellen Exekution erfuhr, beorderte er den Rat zu Buttstädt nach Roßla, wo sich der Herzog aufhielt, und ließ ihn darüber vernehmen. Die Buttstädter beriefen sich auf den von Landgraf Friedrich erteilten Begnadigungsbrief, der zugestandene Rechte umfaßte, worauf der Herzog zu den Abgeordneten des Rates sagte: »Ihr Herren von Buttstädt zieht hin mit eurem Bericht, Gott behüte mich vor eurem Gericht.«

Leseprobe aus: Mörder / Räuber / Menschenfresser

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J. Brand: Auf der Mörderjagd im New Yorker Chinesenviertel (Teil 2, Ende)

Man schlug in den Polizeiakten nach. Troachi Soejima war der Polizei nicht unbekannt. Am 31. Juli 1919 hatte man ihn festgenommen. Er hatte auf einem im East River liegenden Schlepper, auf dem er als Heizer beschäftigt war, ein anderes Mitglied der Besatzung, einen Russen, im Streit erschlagen. Vor Gericht spielte Soejima den Geschworenen eine Komödie vor. Er wußte sich als schüchternes, hilfloses Menschenkind darzustellen, das von dem Russen so lange gequält und brutalisiert worden sei, bis ihm eines Tages die Geduld riß. Die Geschworenen gingen ihm auf den Leim und sprachen ihn frei, weil er sich in Notwehr befunden habe. Hätte das Gericht etwas von Soejimas Vergangenheit gewußt, so wäre der Wahrspruch wohl anders ausgefallen. Er durfte es nicht wagen, einen der Staaten östlich des Missouri zu betreten. Seine eigenen Landsleute hatten ihn in Acht und Bann getan und ihm die schlimmsten Torturen in Aussicht gestellt, wenn er sich je bei ihnen blicken lasse. Weiterlesen →

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J. Brand: Auf der Mörderjagd im New Yorker Chinesenviertel (Teil 1)

Chinatown, New York: Gewundene, enge Straßen, Geschäfte voll seltsamer Kuriositäten, prunkende Restaurants, die als Sehenswürdigkeit auch von den Weißen besucht werden, und kleine Spelunken. Eine Stadt der Gegensätze. In verwahrlosten alten Baracken stößt man plötzlich auf üppig eingerichtete Liebesnester. Tief unter der Erde brodelt das fieberhafte Leben der Spielhöllen. Und nicht weniger pittoresk sind die Menschen, die die seltsame Szene bevölkern. Söhne des Himmels in ihrer alten Tracht oder in europäischer Kleidung, Weiße, vom Schicksal in die Chinesenstadt verschlagen, die sie nicht wieder losläßt, meistens Opfer des Opiums. Hier findet sich alles, was man sich für das blutrünstigste Filmdrama nur wünschen kann: der Hintergrund, die Versatzstücke und die Typen. Weiterlesen →

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Neuausgabe im Jubiläumsjahr: Mörder / Räuber / Menschenfresser

MÖRDER / RÄUBER / MENSCHENFRESSER

Die erste und wahrscheinlich einmalige Auflage dieses Klassikers der ›Kriminalliteratur‹ erschien 1786 in Bornholm in zwei Bänden unter dem Titel Nachrichten von merkwürdigen Verbrechern in Deutschland. Die Herausgeber blieben anonym und konnten nicht ermittelt werden. Sie dürften aber Juristen gewesen sein und standen den Ideen des Thomasius und der Aufklärung nahe, hier besonders denen Voltaires. Ihre Quellen schöpften sie aus Gerichtsakten, Monographien und Chroniken. Noch im 19. Jahrhundert zählte das Buch zu der empfohlenen Handliteratur für den Polizeimann.


Friedrich Christian Benedict Avé-Lallemant schrieb in seinem fundamentalen Werk Das deutsche Gaunertum (nach der Ausgabe München/Berlin 1914, Band I., S. 225) darüber: »Dieses recht interessante und mit Beruf aufgeschriebene Werk gibt nach alphabetischer Namensordnung eine ziemlich bedeutende Anzahl kurzer Verbrecherbiographien aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, teils nach gedruckten, teils nach ungedruckten Akten, und ist namentlich in historischer Hinsicht eine recht glückliche Ausfüllung mancher Lücke. Neben den meisten schon oben angeführten Gaunerprozessen werden noch anziehende Mitteilungen, z. B. über den Alchimisten Cajetan, Salamon Jacob, Käsebier u. a. gegeben, wodurch das Buch jedenfalls eine Stelle in der Gaunerliteratur verdient.« Die Herausgeber lehnten die Todesstrafe teilweise ab und sprachen sich gegen die unmenschliche Tortur, besonders das Liegen in den Trögen, aus. Hexenglauben und Hostienschändung hielten sie für Aberglauben. Trotz ihrer aufgeklärten Gesinnung unterlagen die Autoren hier und da verständlicherweise dem Zeitgeist. Sie waren absolut obrigkeitshörig bzw. zählten selbst zur Obrigkeit, wie die Biographie Thomas Müntzers zeigt. Weiterlesen →

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Die glückliche Rettung eines Geräderten – Votivbild in Altötting (1663)

Im Rundgang der Gnadenkapelle von Altötting finden sich zahlreiche Votivbilder, von denen einige auch für die Rechtsgeschichte interessant sind. So etwa das unten abgebildete Votivbild, welches die glückliche Rettung eines Geräderten aus dem Jahr 1663 darstellt. Der wegen Mordes verurteilte Student Thomas Hank überlebte 13 grausame Radstöße.

Unten noch ein geretteter Geräderter:

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Neuerscheinung: Gerd Frank – „Totmacher 3 – Kolja der Menschenfresser und andere unheimliche Kriminalfälle russischer serienmörder (1921-2012)“

Wir setzen unsere erfolgreiche Buchreihe über “Totmacher” fort! Ab sofort ist der 3. Band lieferbar: Gerd Frank: Totmacher 3 – Kolja der Menschenfresser und andere unheimliche Kriminalfälle russischer Serienmörder (1921-2012). Mit einem Vorwort von Michael Kirchschlager. Erstausgabe im Jubiläumsjahr 2015.

Aus dem Inhalt: Zur Einführung Von Iwan dem Schrecklichen bis Josef Stalin – Herrscher als Massenmörder 1. Der Wolf von Moskau, 2. Der Vertreter der “MOSGAZ”, 3. Der Experimentator vom Kinderclub, 4. Der Würger von Witebsk, 5. Der Ripper von Rostow, 6. Kolja der Menschenfresser, 7. Das Monster von Irkutsk, 8. Der Wahnsinnige aus Pologowski, 9. Die Boa von Odinzowo, 10. Der Filmregisseur, 11. Das Nilpferd, 12. Der Schrecken der Ukraine, 13. Die Bestie von Taganrog, 14. Die Nachtmörder von Kiew, 15. Der Menschenfresser von Nowokusnetsk, 16. Der zynische Killer , 17. Der Mittwochmörder von Angarsk, 18. Der Schachbrettmörder, 19. Der Kindesmörder von Kamensk, 20. Der Pelzmanteljäger, 21. Vom Medizinstudenten zum Serienmörder, 22. Der Taschendieb von Rostow, 23. Die Bestie von Lyswa, 24. Doktor Tod, 25. Die Rentnerkillerin, 26. Die Videomörder von Dnjepropetrowsk, 27. Die Mordfamilie von Rostow, 28. Der Kannibale von Belinsky

Gerd Frank legt mit Totmacher 3 einen eindrucksvollen, aber zugleich erschreckenden Band zur russischen Kriminal- und damit Sozialgeschichte vor. Die grausamen Taten der Mörder, die oft aus ihren Biographien entsprungen sind, spiegeln eine Gesellschaft wider, die verloren scheint. Rußland braucht unser Verständnis, keine Sanktionen.

Taschenbuch, 200 Seiten, zahlr. Abbildungen, ISBN 978-3-934277-51-9, Preis: 12,80 Euro

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Will man die extrem grausamen Verbrechen, die in diesem Buch behandelt werden, verstehen, genügt es nicht nur, versuchsweise in das Seelenleben der einzelnen Mörder einzutauchen. Man muß seinen Blick auf die Geschichte der russischen Nation und deren Rechtspflege richten. Erst wenn man die Geschichte eines Landes, seine politische, gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung berücksichtigt, kann man seine “Kriminalität” verstehen. Im Falle Rußlands wird das besonders deutlich. Bisher fehlen wissenschaftliche Untersuchungen, die solch eine “landesspezifische Kriminalität” zum Gegenstand haben. Beim Lesen der folgenden Seiten erkennt man indes schnell die Unterschiede zu Europa. Gemessen an “Quantität” und “Qualität, ist die Brutalität, mit der in Rußland gemordet wird, vermutlich mit Mittel- und Lateinamerika vergleichbar. Menschenleben zählen in diesem Land nicht viel.

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Weitere Lesungen im April 2015 mit Kriminalrat a. D. Hans Thiers

17. April, Stadtbibliothek Schleiz, 19 Uhr – Buchlesung und Gespräch zum Buch „Mordfälle im Bezirk Gera“ mit Kriminalrat a. D. Hans Thiers und Verleger Michael Kirchschlager.

24. April, Jena, 20.15 Uhr – Buchlesung und Gespräch in der Buchhandlung Thalia in Jena (EKZ Neue Mitte) – zum Buch „Mordfälle im Bezirk Gera“ mit Kriminalrat a. D. Hans Thiers und Verleger Michael Kirchschlager.


29. April, Amtsgericht Greiz, 18.30 Uhr – Lesung wie oben.

Der ehemalige Leiter der Morduntersuchungskommission des Bezirkes Gera, Kriminalrat a. D. Hans Thiers, berichtet über die Aufdeckung, Aufklärung und Untersuchung authentischer Mordfälle. Er führt uns an Tatorte voller Grauen und zwischenmenschlicher Tragödien. Besonders bei Straftaten gegen Kinder geht in den Städten und Gemeinden des Bezirkes Gera die Angst um. Die Kriminalisten sind bestens ausgebildet, die einzelnen Abteilungen personell stark besetzt. Die Aufklärungsquote war sehr hoch. Schnell sind die Mörder gefaßt und verurteilt. Doch die Geständnisse der Täter lassen uns erschaudern und wie so oft müssen wir erkennen, daß Gerechtigkeit nur ein Traum ist.

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Bild eines Scharfrichters (Bayern, um 1480)

Gastmahl des Herodes mit Enthauptung von Johannes dem Täufer, bayerisch, um 1480, Foto: Michael Kirchschlager, Burg Trausnitz (Landshut)

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Hans Thiers: Drei Kinder entkamen einer tödlichen Tragödie (DDR, Gera, 1983)

Wie im vorgenannten Fall, plante auch Jutta K. aus Gera, Juri-Gagarin-Straße, einen erweiterten Selbstmord. Schon seit längerem war die Beziehung zu ihrem Lebensgefährten von Problemen begleitet. Als geschiedene Frau und Mutter von drei Kindern hatte sie es auch nicht immer einfach, weshalb sie auf keinen Fall ihren Partner verlieren wollte, der ihr als Stütze galt und Geborgenheit verlieh. Doch Peter L. wurde die Beziehung zu anstrengend, weshalb er Jutta K. verlassen wollte. Weiterlesen →

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Kriminalrat a. D. Hans Thiers: Ein erweiterter Suizid mit tragischen Folgen – Zwei Kinder sterben (DDR, Ronneburg, 1983)

Familie Z. aus Ronneburg in der Berggasse hatte sich auf die neue größere Wohnung gefreut. Hier gab es mehr Platz für die zwei Kinder. Die Tochter war drei Jahre alt und die Kleinste erst vor drei Monaten geboren. Das Familienglück schien geebnet, doch auf einmal war der Mutter alles zu viel. Mit zwei Kindern und der größeren Wohnung fühlte sie sich überfordert. Ihre Aufgaben, die Kinder zu versorgen und obendrein die große Wohnung in Ordnung zu halten, schürten bei ihr unvorstellbare Ängste. Weiterlesen →

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